Klassisches chinesisches Mahjong

German Mahjong Open 2007
German Mahjong Open 2007, © Uwe Martens

Grundregeln der Deutschen Mah-Jongg Liga (DMJL) e.V.

Klassisches Mahjong ist ein chinesisches Gesellschaftsspiel, das normalerweise mit vier Personen gespielt wird.

Es existieren vielfältige Schreibweisen: Mah-Jongg, Mah-Jong, Mahjong, Majong, Ma-Jung, Majung, Ma-Chiao, Ma Cheuk etc.

Der „richtige“ chinesische Name dieses Spiels ist „májiàng“ (ausgesprochen „ma-dschang“). Im deutschsprachigen Raum hat sich aber die Aussprache „ma-jong“ etabliert.

Wenn Sie nicht das traditionelle Brettspiel Mah-Jongg suchen, sondern das Solitär-Spiel (Pyramide paarweise abbauen), klicken Sie auf einen möglicherweise passenden Link in der rechten Spalte

Spielmaterial

Ein Mahjong-Spiel besteht aus 144 Spielsteinen:

• den 108 Farbziegeln,
das sind je 36 Ziegel der Bambus-, der Zahl- und der Kreisgruppe.
Die fortlaufend von 1 bis 9 nummerierten Ziegel dieser Gruppen sind jeweils 4fach vorhanden.

Bambus-1 Bambus-2 Bambus-3 Bambus-4 Bambus-5 Bambus-6 Bambus-7 Bambus-8 Bambus-9
Bambus-Spielziegel 1 bis 9. Die Bambus-1 ist traditionell als ein Vogel dargestellt.

Kreise-1 Kreise-2 Kreise-3 Kreise-4 Kreise-5 Kreise-6 Kreise-7 Kreise-8 Kreise-9
Kreise-Spielziegel 1 bis 9.

Zahlen-1 Zahlen-2 Zahlen-3 Zahlen-4 Zahlen-5 Zahlen-6 Zahlen-7 Zahlen-8 Zahlen-9
Zahlen-Spielziegel 1 bis 9. Die obere Zeichenreihe besteht aus den chinesischen Zahlzeichen. Das jeweils untere Zeichen bedeutet „10.000“, hat aber im Spiel keine weitere Bedeutung.

• den 28 Bildziegeln,
das sind die Winde (Ost, Süd, West, Nord) und Drachen (roter, grüner und weißer Drachen). Jeder dieser Ziegel ist ebenfalls 4fach vorhanden.

Ostwind Südwind Westwind Nordwind
Wind-Spielziegel (Ost, Süd, West, Nord)

Roter Drachen Grüner Drachen Weißer Drachen
Drachen-Spielziegel (Rot, Grün, Weiß).
Der Weiße Drachen ist manchmal auch als ganz weißer (=leerer) Ziegel dargestellt.

• den 8 Bonusziegeln:
je vier Ziegel der Blumen- und der Jahreszeitengruppe.
Diese Ziegel sind jeweils nur einfach vorhanden.

Blume-1 Blume-2 Blume-3 Blume-4
Blumenziegel (Beispiele; das Design variiert von Spiel zu Spiel)

Frühling Sommer Herbst Winter
Jahreszeitenziegel (Beispiele; das Design variiert von Spiel zu Spiel)

Je ein Ziegel jeder dieser beiden Gruppen der Bonusziegel ist jeweils einem Wind zugeordnet:

1 = Osten
2 = Süden
3 = Westen
4 = Norden

Zum Spiel gehören 2 Würfel, ggf. Zählstäbchen, Windscheiben, Rundenzähler und Spielbänke (Racks) zum Aufstellen der Ziegel.

Spielvorbereitungen

Zu Beginn des Spiels werden mit vier verdeckten Windziegeln die Sitzplätze ausgelost, indem die Spieler den einzelnen Windrichtungen zugeordnet werden. Die Spieler nehmen entsprechend ihrem zugelosten Wind am Tisch Platz. Zu beachten ist, dass im Chinesischen in der Reihenfolge der Ost- und der Westwind vertauscht sind. (Osten ist „links“.) Die Spieler sitzen in entgegen dem Uhrzeigersinn gehender Spielrichtung in folgender Reihenfolge: Ost, Süd, West, Nord. Der Ostwind übernimmt die Funktion des Spielleiters.

Bau und Durchbruch der Mauer

Die Ziegel werden verdeckt gemischt.

Mischen der Spielziegel

Jeder Spieler baut vor sich eine Mauer, 18 Ziegel breit und 2 Ziegel hoch.

Mauerseiten, noch offen

Die vier Mauern werden zu einem Quadrat zusammengeschoben, und zwar so, dass die Enden „verschränkt“ schließen. Dabei ist die rechte Seite einer Mauer immer „innen“.

Mauer, geschlossen

Anschließend muss die Mauer durchbrochen werden. Die Stelle des Durchbruchs wird durch Würfeln ermittelt. Der Ostwind würfelt und zählt, mit sich selbst beginnend, gegen den Uhrzeigersinn ab. Der so ermittelte Spieler würfelt erneut und zählt die Augenzahl mit der des ersten Wurfs zusammen. Dann zählt er die entsprechende Zahl von Ziegelpaaren von seiner Mauer ab, rechts beginnend, im Uhrzeigersinn. Das so ermittelte Ziegelpaar wird aus der Mauer genommen und als „lose Ziegel“ auf den rechten Teil der durchbrochenen Mauer abgelegt.

Mauerdurchbruch

Dabei wird der untere herausgenommene Ziegel auf das dritte, der obere Ziegel auf das fünfte Ziegelpaar (vom Durchbruch nach rechts gezählt) gelegt.

Anschließend wird ein aus 14 Ziegeln und den beiden losen Ziegeln bestehendes Stück dieser Mauerhälfte leicht von der übrigen Mauer abgerückt. Es bildet die „tote Mauer“. Diese Mauer dient während des Spiels lediglich zum Ersetzen eines Ziegels nach Ablegen eines Kangs, wird aber im Spiel ansonsten nicht angetastet.

Verteilung der Ziegel

Jeder Spieler (beginnend mit dem Ostwind) nimmt sich der Reihe nach 4 Ziegel von der linken Mauerseite des Durchbruchs, der lebenden Mauer (die Spieler sind entgegen dem Uhrzeigersinn am Zug, die Mauer wird aber im Uhrzeigersinn abgebaut). Wenn auf diese Weise jeder Spieler 12 Ziegel genommen hat, nimmt sich der Ostwind noch zwei, die anderen drei Spieler jeweils noch einen Ziegel von der Mauer.

Ziegel verteilt

Die Spieler stellen die Ziegel verdeckt an ihrem Platz auf, so dass die übrigen Spieler die Steine nicht einsehen können. Zum bequemeren Anschauen der Ziegel kann man Racks (Bänkchen) benutzen.

Spiel mit Racks

Ersetzen der Bonusziegel

Vor dem eigentlichen Spielbeginn legt jeder Spieler (beginnend mit dem Ostwind) die in seiner Hand enthaltenen Bonusziegel offen vor sich ab und nimmt sich für jeden abgelegten Ziegel einen Ersatzziegel von der lebenden Mauer. Aus den Bonusziegeln können keine Spielfiguren gebildet werden. Sie dienen ausschließlich als „Punktebringer“ und werden daher immer sofort aufgedeckt und durch einen weiteren Ziegel von der Mauer ersetzt — auch wenn während des Spiels Bonusziegel gezogen werden.

Bonusziegel ersetzt
Drei Spieler haben je einen Bonusziegel herausgelegt
und vom lebenden Ende der Mauer ersetzt.

Spielverlauf

Der Ostwind beginnt das Spiel mit dem Ablegen des ersten Ziegels in das Innere der Mauer.

Spielbeginn

Beim Ablegen wird jeder Ziegel laut und deutlich benannt, z.B. „Bambus-3“, „Kreise-7“, „Zahlen-9“ „Nordwind“ oder „Grüner Drachen“.

Das Spiel wird fortgesetzt, indem die anderen der Reihe nach einen Ziegel von der lebenden Mauer nehmen und anschließend einen Ziegel ablegen.

Ein anderer Spieler kann den zuletzt abgelegten Ziegel (und nur den) beanspruchen, wenn er damit sofort eine Spielfigur vervollständigen kann. Dieser Vorgang wird „Rufen“ genannt – der Spieler ruft dabei den Namen der zu legenden Figur und muss die so gebildete Figur offen legen. Das Spiel wird bei dem Spieler fortgesetzt, der den Ziegel aufgenommen hat, indem dieser den nächsten Ziegel ablegt. Dazwischen sitzende Spieler werden also ggf. übersprungen.

Fortgeschrittener Spielverlauf
Fortgeschrittener Spielverlauf.
Zwei Spieler haben je eine Figur durch Rufen vervollständigt und offen gelegt.
Die anderen offen auf den Racks liegenden Ziegel sind herausgelegte Bonusziegel.

Spielfiguren

Es gibt die folgenden Spielfiguren:

Chi, das sind drei aufeinanderfolgende Ziegel der gleichen Farbe (Bambus, Zahl, Kreis):

Bambus-2Bambus-3Bambus-4  Zahlen-5Zahlen-6Zahlen-7  Kreise-1Kreise-2Kreise-3
Chi aus Bambus-2-3-4 Chi aus Zahl-5-6-7 Chi aus Kreise-1-2-3

Chis können nur aus Farbziegeln gebildet werden, nicht aus Wind- oder Drachenziegeln.

Pong, das sind drei identische Ziegel:

Kreise-8Kreise-8Kreise-8  Roter DrachenRoter DrachenRoter Drachen  OstwindOstwindOstwind
Pong aus Kreise-8 Pong aus Roten Drachen Pong aus Ostwinden

Pongs können sowohl aus Farbziegeln als auch aus Wind- und Drachenziegeln gebildet werden.

Kang, das sind vier identische Ziegel:

Bambus-1Bambus-1Bambus-1Bambus-1 Grüner DrachenGrüner DrachenGrüner DrachenGrüner Drachen
Kang aus Bambus-1 Kang aus Grünen Drachen

Kangs können sowohl aus Farbziegeln als auch aus Wind- und Drachenziegeln gebildet werden.

Paar, das sind zwei identische Ziegel:

Zahlen-1Zahlen-1
Paar aus Zahl-1

Der zuletzt abgelegte Ziegel kann, wenn er für die Komplettierung eines Pong oder Kang benötigt wird, von jedem beliebigen Spieler beansprucht werden. Für ein Chi darf jedoch ein abgelegter Stein nur von dem Spieler aufgenommen werden, der als nächster an der Reihe ist.

Dies gilt nicht, wenn ein Spieler mit dem fehlenden Stein das Spiel beenden kann: In diesem Fall darf jeder Spieler den Stein aufnehmen. Für ein Paar darf ein Ziegel nur beansprucht werden, wenn mit diesem Ziegel das Spiel beendet werden kann.

Beanspruchen zwei Spieler gleichzeitig einen abgelegten Ziegel, so hat der Spieler mit der höherwertigen Figur Vorrang: Pong und Kang kommen vor Chi. Der Mahjong-Ruf hat allerdings immer Vorrang. Rufen zwei Spieler gleichzeitig Mahjong, so gewinnt derjenige, der als nächster an der Reihe gewesen wäre.

Spielziel: die Mahjong-Hand

Das Ziel des Spieles ist es, aus den 14 Ziegeln einer Hand ein komplettes Spielbild zu erstellen, eine „Mahjong-Hand“. Sie besteht aus 4 beliebigen Figuren (Chi, Pong oder Kang in beliebiger Anzahl und Reihenfolge) und einem Paar.

Beispiel für eine komplette Mahjong-Hand:

Bambus-7Bambus-8Bambus-9 Chi
Zahl-2Zahl-2Zahl-2 Pong
WestwindWestwindWestwindWestwind Kang
Roter DrachenRoter DrachenRoter Drachen Pong
Kreis-7Kreis-7 Paar

Bildet ein Spieler einen Kang, muss für diese Figur jeweils ein zusätzlicher Ziegel gezogen werden, um genügend Ziegel für die Bildung weiterer Figuren zu haben. (Da ein Kang aus vier Ziegeln besteht, würde sonst ein Ziegel fehlen.) Ersatzziegel für Kangs werden von der toten Mauer genommen.

Spielfiguren, die allein durch von der Mauer gezogene Ziegel gebildet werden, heißen „verdeckte“ Spielfiguren. Sie bleiben bis zum Schluss in der verdeckten Hand und ergeben so in der Wertung eine höhere Punktzahl. Ein selbstgezogener Kang hingegen muss aufgedeckt werden, da der Spieler sonst keinen Ersatzziegel aufnehmen kann. Ein solcher Kang gilt trotzdem als verdeckte Spielfigur.

Ende des Spiels und Wertung

Spielende
Mahjong durch den rechten Spieler,
alle Figuren werden aufgedeckt.

Ein Spieler, der ein komplettes Spielbild zusammengestellt hat, beendet das Spiel durch den Ruf „Mahjong!“. Nach dem Spielende ermitteln die Spieler anhand einer Wertungstabelle die von ihnen erreichte Punktzahl. Der Spieler, der Mahjong gerufen hat, bekommt von allen Spielern den Wert seiner Hand ausgezahlt, vom Ostwind die doppelte Punktzahl. Hat der Ostwind gewonnen, so erhält er von allen Spielern das Doppelte. Die übrigen Spieler verrechnen die Punkte untereinander und zahlen sich jeweils die Differenz aus, wobei auch hier beim Ostwind die Differenz verdoppelt wird.

Vor dem nächsten Spiel wechselt die Zuordnung der Winde in Spielreihenfolge, d.h. der Südwind wird Ostwind, der Westwind wird Südwind usw. Die Spieler bleiben aber auf ihren Plätzen sitzen. Hat der Ostwind gewonnen, bleiben die Windzuordnungen auch im folgenden Spiel unverändert bestehen.

Das nächste Spiel beginnt wieder mit dem Mischen der Ziegel und dem Bau der Mauer.

Eine Runde dauert so lange, bis jeder Spieler als Ostwind einmal verloren hat. Eine komplette Partie Mahjong besteht aus 4 Runden: Der Ostwindrunde, der Südwindrunde usw. Am Ende der Partie gewinnt der Spieler mit der höchsten Punktzahl.

Hinweis: Mit dieser Grundregel kann die einfache Form des Mahjong gespielt werden. Es gibt jedoch insbesondere für fortgeschrittene Spieler weitere Regeln (z.B. „Limithände“).

Handbuch: Mah-Jongg 

Die vollständige Regel der DMJL e.V. ist im „Handbuch: Mah-Jongg“ von Uwe Martens beschrieben
(ISBN 3-8334-2410-9).

 

 

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